mein-bayern.jpg

Den Fischen scheint übrigens die neue Erfindung der Dampfschiffe nicht sehr zu behagen; die Fischer behaupten, dass seitdem die brausenden Räder die Wasserfläche durchwühlen, die Brut nicht mehr so ergiebig sei. Ein großer Übelstand besteht aber auch darin, dass der Obersee keine geregelte Fischerordnung hat; die Wildfischerei ist höchst nachteilig. Es gibt sehr schmackhafte Fische im Bodenseebesonders zeichnen sich aus die beiden Maränen, die Blaufellchen, die Grundforelle und die Seeforelle. Letztere heißt auch Lachsforelle (Salmo trutta), hat schwarze Augen, silberfarbene Augenringe, grünlichgrauen Rücken, silberweißen Bauch und schwarzgefleckte Seiten. Im Sommer ist das Fleisch rötlich, im Winter weiß, wird aber durchs Kochen goldgelb. Die Lachsforelle wird zuweilen 30 bis 40 Pfund schwer, ist jedoch im Bodensee selten, häufiger dagegen in den schweizerischen Seen. Für die Lachsforelle bietet aber der Bodensee reichlichen Ersatz in der Grundforelle (Salmo lacustris), die von 5 Pfund bis zu 48 Pfund schwer wird, im April und Mai in den Rhein (Rheinlanke) und die Ill (Illlanke) hinaufsteigt, ihren Laich da absetzt, wo der Strom am schnellsten ist und einen kiesigen Grund hat, und dann im Herbst sich wieder in den Bodensee zurückzieht. Bei Rheineck und im Rheintal wird sie häufig gefangen; ihr Fleisch sieht mit dem Lachs in gleichem Preise. Die Maräne (Salmo maräna), ist ein sehr wohlschmeckender, beliebter Fisch, mit silberfarbenem Leibe und schwärzlichem Rücken; sie erreicht eine Länge von 2 Fuß und eine Schwere von 6 Pfund. Die Maränen laichen im Herbst, und man fängt sie um diese Zeit, wo sie am fettesten sind, und im Anfang des Winters unter dem Eise. Sie werden geräuchert und mariniert, und früher wurden sie als große Delikatesse weit und breit verschickt. Frisch schmecken sie wie Forellen. Die kleine Maräne (Salmo maränula) wird nur 6 — 8 Zoll lang und 5 Lot schwer, hat aber ein noch zarteres Fleisch als ihre größere Verwandte. Beide werden auch Gangfische (poissons de passage) genannt. Der Gangfisch par excellence ist aber das Blaufellchen (Salmo caeruleus Wartmanni), unstreitig der beste Fisch des Bodensees, der 1 bis 1 1/2 Fuß lang wird, doch erst im siebenten Jahre ausgewachsen ist. Im ersten Jahre heißt er „Heuerling,“ im zweiten „Stuben,“ im dritten „Gangfisch,“ im vierten „Rhenken,“ im fünften „Halbfelch,“ im sechsten „Dreier,“ und erst vom siebenten Jahre an „Blaufellchen;“ der Oberleib ist nämlich bläulich, der Unterleib aber weiß. Was der Hering für die nordischen Völker ist, das ist dieser Fisch für die Umwohner des Bodensees. Besonders im Obersee ist das Blaufellchen häufig und wurde lange für eine diesem eigentümliche Art angesehen. Frisch geröstet wird es von Vielen noch den Forellen vorgezogen. Es überwintert in den Tiefen des Sees und zeigt sich im Frühjahr, wenn nach dem Ausdruck der Fischer das Wasser ihn hebt, zuerst an den östlichen Buchten, wandert dann dem schwäbischen Ufer entlang hinunter gen Überlingen und Konstanz, um im Herbst längs den schweizerischen Gestaden in der Höhe von Arbon zu laichen, und endlich in sein ständiges Winterquartier zurückzukehren.

Auch die Trüsche (Quappe), die in den tiefen klaren Buchten des Bodensees, am liebsten in der Tiefe haust, hat ein außerordentlich zartes und wohlschmeckendes Fleisch; ihre Leber wird für das wohlschmeckendste Gericht aus der ganzen Fischwelt gehalten, und es ist Tatsache, dass Elisabeth von Matzingen, Äbtissin des Frauenmünsterstiftes in Zürich, einst für Trüschenlebern ein Lehengut am Zollikerberg verschwendete. Die Trüsche ist grünlichgrau, schwarz und gelblichgrün marmoriert und durch kleine Bartfäden am Kinn ausgezeichnet; sie wird selten über 1 Fuß lang und über 2 bis 3 Pfund schwer gefunden, und vorzüglich bei Steckborn gefangen. Die Hechte stellen ihr eifrig nach.

Im Dezember 1853 wurde bei Konstanz ein Monsterhecht gefangen; er hatte ein Gewicht von fast 30 Pfund, eine Länge von 5 Fuß und über den Rücken eine Breite von einem halben Fuß. Er mochte auf dem Raube nach Gangfischen begriffen gewesen sein, denn er ward von den Fischern im gleichen Netze mit den Gangfischen heraufgezogen. Wie viel solcher Fische der Räuber in seinem Leben (man schätzte sein Alter auf 60 Jahre) verzehrt haben mag, kann man sich denken, wenn man erwägt, dass er in einer Nacht 30 bis 40 Fische, die man seiner Botmäßigkeit überlassen hatte, verzehrte.

Auch die Karpfen sind nicht selten, und von Bleien (Brachsmen) gelingt es zuweilen den Fischern, reiche Vorräte zu bekommen. Der Wels (Weller), dieser riesige Koloss, der ausgewachsen 8 Ellen lang und 3 Zentner schwer wird, ist in einigen Arten vorhanden, die alle ein sehr süßes, weißes, fettes Fleisch haben und jung verspeist werden müssen.

Autor: Frank Vincentz, Bodensee-Fische" Aus: Grube, A. Wilhelm. Charakterbilder deutschen Landes und Lebens. Der Bodensee. Leipzig. 1855. S. 211 ff. Grube, August Wilhelm (1816-1884) deutscher Pädagoge und Schriftsteller.

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

>> mehr