mein-bayern.jpg

Schweizer Mädchen aus dem Wallis

Im Jahre 1750 unternahm der Dichter Klopstock eine Reise durch die Schweiz über Hamburg nach Kopenhagen. Ludwig Brunier berichtet davon in seinem Werk: Klopstock und Meta 1860. Die wenigsten seiner Gastgeber waren darauf gefasst, in dem berühmten Manne einen ausgelassenen Gesellschafter zu finden, wo sie doch eher einen orthodoxen Kandidaten der Theologie vermuteten. Das Erstaunen war allgemein „kein geringeres, wie das der Schweizerischen Freunde Klopstocks, die sich Anfangs versucht gefühlt hatten dem Dichter der Messiade, mit Palmenzweigen in den Händen, Hosianna singend, entgegen zu wallen, und die sich vor Bewunderung gar nicht zu lassen wussten, als ihnen in Klopstock ein so lebensfroher, scherzender und Mädchen küssender junger Mann entgegentrat.“

Unbedingt sollte dabei Erwähnung finden, dass dies ein wesentlicher Charakterzug der Persönlichkeit Klopstocks ist, und dass es der Sänger der Messiade sehr liebte, junge Mädchen zu küssen, und dass diese wiederum es ihm gar nicht übel nahmen.

„Überall streckte er seine Fühlhörner aus, ob er nicht auf anmutige und liebenwürdige Gestalten des oft nur aus Artigkeit sogenannten schönen Geschlechts stoßen möchte.“

So berichtet uns Johann Georg Sulzer, der Klopstock auf dieser Reise begleitete, über die Sehnsucht des Messiasdichters nach Repräsentantinnen des schönen Geschlechts Folgendes:

„Klopstock allein sah sich nach etwas um; er wollte mit Gewalt schöne Mädchen sehen, aber das Schicksal hatte es anders beschlossen. .... „

Da die ... , vielleicht wegen ihres Anzuges, vielleicht auch wegen ihrer plumpen Körperbeschaffenheit, auf Klopstock einen sehr wenig guten Eindruck gemacht hatten, so begann dem wackern Sulzer bei seinem Patriotismus bange zu werden, dass seine Landsmänninnen, nämlich die Schweizerinnen, dem berühmten Dichter eben so wenig gefallen möchten. Sulzer verfehlte deshalb nicht, Klopstock auf das Unvorteilhafte in dem Anzuge der Schweizerinnen vorzubereiten. Vor allem war er bemüht, zu verhindern, dass Klopstock die Schweizerinnen nicht zuerst im Kirchenhabit sehen sollte. Sulzer erwähnte gegen Klopstock, wie der Anzug der Schweizer Landmädchen noch viel Gotisches an sich habe, und wie von ihrem Kopfputze ein breites Band von dem Nacken um die Wangen und das Kinn liefe. Sogleich äußerte Klopstock die Besorgnis, dass die Mädchen dies breite Band als Schutzwaffe gebrauchen und dasselbe sofort auf den Mund rücken würden, wenn man ihnen einen Kuss geben wolle. Klopstock schloss wahrscheinlich, und gewiss mit sicherster Logik, dass die Landmädchen der Schweiz, weil sie seine Messiade nicht gelesen hatten, lange nicht so bereit sein würden, ihm einen Kuss zu gestatten, wie die jungen Damen in Magdeburg. Je gebildeter die Frauen sind, desto begeisterter umfassen sie ja die Poesie und Diejenigen, „auf deren Brauen einst süßer Tau des Himmels fiel.“

Aus: Klopstock und Meta. Ludwig Brunier (1825-1905). Hamburg 1860. S. 26 ff.

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

>> mehr