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So dies geschehe, wolle sie zu Dank eine schöne Kirche in Wasserburg bauen. Das Flehen der Gräfin fand Erhörung, Konrad änderte seinen Sinn und zog nicht nach Palästina. Nun ließ Kunigunde, treu ihrem Gelöbnisse, berühmte Baumeister verschreiben, die mussten ihr Pläne vorlegen und bald den Anfang machen, einen stattlichen Bau ins Werk zu führen. So erhob sich dann die Kirche herrlich und schön, eine Zierde Wasserburgs. Aber der Graf war unterdessen in Fehden verwickelt worden. Er wurde besiegt und musste nach Ungarn flüchten. Das war ein furchtbarer Schlag für Kunigunde. Ihr Haus sank in Armut, wie wollte sie noch ihr Gelübde erfüllen und den begonnenen Bau zu Ende führen? Da fasste sie einen schönen, heldenmütigen Entschluss, setzte sich als Bettlerin des Herrn vor die Türe des Gotteshauses und sprach alle Eintretenden um ein Almosen für den Kirchenbau an. Wie die Wasserburger ihre edle Frau und Herrin so tief erniedrigt und gebeugt sitzen sahen, wurden sie tief im Herzen gerührt und brachten reichliches Opfer. Jung und Alt kam mit vollen Händen, auch die Ärmsten wollten nicht zurückbleiben und trugen ihr Scherflein bei. So stieg der Riesenbau, rascher als man geglaubt hatte, empor, bald war Nichts mehr als das Achteck des Turmes zu bauen übrig; da sollte die gute Gräfin von hinnen scheiden und nicht mehr die Freude erleben, bei dem Feste der Kirchweihe zugegen zu sein. Bis heute ist der Turm unvollendet geblieben, nur ein Notdach schützt ihn vor Sturm und Wetter. Werden die heutigen Wasserburger nicht vollenden, was ihre Vorfahren mit so rühmlichem Eifer ins Werk gesetzt? —

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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