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Dieses international erhöhte Bewusstsein an Menschlichkeit aber versagte entweder, oder es regte sich ganz willkürlich, wenn das Tier der Hilfe bedurfte. Das Gebot des Tierschutzes ist alt, denn schon die Bibel sagt, dass der Gerechte sich seines Viehes erbarmt. Immerhin war dieses Erbarmen in der Wolle doch sehr egoistisch gefärbt, solange der Mensch wähnen durfte, im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Es erweiterte sich erst dann, als man den Begriff der „Würde“ auch auf das Tier übertrug und den Adel der göttlichen Schöpfung in allen Geschöpfen achten lernte. Es ist der Ruhm der Völker germanischer und slavischer Zunge, dass bei ihnen das Gefühl der Menschlichkeit auch dem Tiere gegenüber zuerst erwachte und seinen Niederschlag sogar in Gesetzen fand. Gewissen Tieren, vor allen natürlich den Haustieren, war damit über ihren „nützlichen“ oder „unnützlichen“ Daseinszweck hinaus ein Daseinsrecht zugesprochen.

 

Sogar auf die wilden Tiere erstreckte sich diese gesetzliche Fürsorge. Das Wild ist geschützt durch Jagdgesetze, und nur das Raubtier ist „Freiwild“. Bis zum Wunsche der Ausrottung aber versteigt sich die Jagdlust des rechten Waidmannes auch dem Freiwild gegenüber nicht. Und da mit dem Vordringen der Zivilisation gewissen Tierarten der Spielraum des Lebens immer knapper zugemessen wird, da sie vom Aussterben bedroht sind, so setzt sich auch die Wissenschaft für ihre Erhaltung, für ihr Lebensrecht ein. Der Mensch, der die Natur bekämpft, hat noch kein rechtes Auge für ihre Schönheitswerte. Erst wenn er sie sich unterworfen hat, erwacht ein höheres Interesse an ihren Bildungen, und er sucht aufzubauen, wo er zerstört hat. Er kultiviert nun sozusagen die Natur; er verkehrt human mit ihr.

 

Auf diese Weise entstehen Naturschutzparks, botanische und zoologische Gärten, Museen mit totem und lebendem Inventar. ...

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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