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Kameraden im Felde 1915Im Jahre 1915 veröffentlichte Dr. Eugen Tannenbaum (1890-1936) die Sammlung "Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden". In seinem Vorwort schreibt er:

"Der Brief aus dem Feld ist Bringer ungezählter Schicksale geworden. Mag er auch um Wochen und Monate zurückdatiert sein, so trägt er doch den Stempel des Erlebten, ist irgendwie Ausdruck des großen Geschehens, Gechichte in anschaulicher Form. Selbst wenn die Menschen, die sie geschrieben haben, uns unbekannt sind, - der Reiz ihrer Schilderungen ist darum nicht geringer. Im Gegenteil. . ."

Den Volltext des Werkes finden sie bei Lexikus.de. Die Bebilderung ist nachträglich angefügt worden [Anmerkung der Redaktion]

Ein Viehhändler aus einer kleinen Stadt Bayerns, Vater von sieben Kindern, der am 3. August 1914 ins Feld gerückt ist, hinterließ nachstehenden Brief.

Abb. 1 Karikatur auf den Ausbruch der Cholera in München. Aus den „Fliegenden Blättern“

Abb. 1 Karikatur auf den Ausbruch der Cholera in München. Aus den „Fliegenden Blättern“

Abb. 1 Guido Görres. Bleistiftzeichnung von A. Muttenthaler. Zwei Briefe Josephine Kaulbachs an ihren Gatten nach Berlin.

20.August 1848.

Bei uns in München geht es wieder toll zu. Es ist ein Lärmen und Toben in den Straßen; die Wühler und Schreier lassen nicht nach, das Volk auf alle mögliche Weise aufzuwiegeln. Nun setzen sie den Leute in den Kopf, den Hausschatz, die Juwelen des Staates, hätte König Ludwig fortgebracht.

Als sich die durch die Februar-Unruhen heraufbeschworene Erregung nicht legen wollte und vom König Garantien verlangt wurden, die zu geben er sich nicht entschließen konnte, willigte er in die Abdankung, die er später manchmal bereute, und die auch die anderen bereuten. In einem Patent vom 20.März 1848 gab er seine Thronentsagung bekannt:

Abb. 2 Studenten-Freikorps. Zeitgenössische SteinzeichnungAm 9. Februar 1849. Über diese Ereignisse dieses Tages berichtet die Augsburger Postzeitung:

Bekanntlich haben schon seit einiger Zeit die übrigen Studierenden aus Ursachen, die hier unberührt bleiben mögen, die „Alemannen“ überall und auch in den Hörsälen mit der entschiedensten Verachtung behandelt, sodaß vorgestern der Fürst Wallerstein sich persönlich zur Universität begab, um Ruhe innerhalb der Hörsäle zu bewirken. Heute Mittag nun, zu einer Zeit, wo eben eine große Anzahl von Studenten aus den Kollegien kam, gab es wieder einen Konflikt mit Alemannen. Man begann zu pfeifen, Pereat zu rufen und auf ähnliche Weise seinen Hohn gegen dieselben auszudrücken, was einen großen Teil der Straße hinauf bis in die Nähe des Bazars fortdauerte. Hier stellt einer der Verfolgten (Graf Hirschberg) einen der nachfolgenden Studenten, zieht einen Dolch und führt damit mehrere Stöße auf ihn, die jedoch glücklicherweise fehlgehen. Ein Offizier und ein Gendarm fallen dem Stechenden in den Arm und hindern ihn, einen Mord zu begehen.

Abb. 1 „Rrrrechts um!“ Spottbild auf die Bürgerwehr. Holzschnitt von Stauber aus den „Fliegenden Blättern“Aus Pecht „Aus meiner Zeit“.

In dieser Zeit (1843) brachen die ersten Unruhen aus, welche das Jahr 1848 voraus verkündeten. Ganz charakteristisch für München hatten sie als Veranlassung eine unbedeutende Erhöhung des Bierpreises, welche aber die Massen sehr erbitterte.

Abb. 2 Ludwig von Schwanthaler. Steinzeichnung von J. Bergmann (1839)Franz Trautmann schildert in seinem Buche „Ludwig Schwanthalers Reliquien“, das zwar im Hinblick auf die Tatsachen nicht unbedingte Glaubwürdigkeit beanspruchen kann, aber die Stimmung glücklich einfängt, den frohen Künstlerkreis um Schwanthaler:

Zwei Genossenschaften bestanden zu Ludwig Schwanthalers Zeiten nebeneinander: die Bärenschaft - und jene von der Humpenburg. Da traf etwas ein; hiedurch wurden sie beide in Eines verschmolzen. Damit ging es so.

Abb. 1 Kegelbahn des Arche Noe. Wirtshausgarten an der Wurzerstraße. Radierung von F. Bollinger. Felix von Schiller in seinem Büchlein über München vom Jahre 1843: An der Isar liegt, gleich neben der steinernen Brücke, ein kleines Wirtshaus, „Zum grünen Baum“ genannt. Hier trinkt man immer ausgezeichnetes und frisches Bier.

Das Oktoberfest in München um 1830Das Oktoberfest und der Keferloher Markt dieser zu Anfang September, für den St. Egidientag bestimmt, nur wenige Stunden dauernd, jenes zu Anfang Oktober während einer ganzen Woche, können beide Volksfeste der Münchner genannt werden. Der Charakter derselben ist aber unter sich wesentlich verschieden.

 

Bei dem Oktoberfeste auf der freien weiten Theresienwiese, im Angesicht himmelblau glänzender Gebirge, vor der nun emporstrebenden Magna Bavaria und der bayerischen Ruhmeshalle mit deutschem Eichenhain, unter Teilnahme des Hofes, ringt sich eine bunte, zu keiner anderen Zeit so zahlreiche Menge von nahe an Hunderttausend zu jener schönen Epoche Altgriechenlands hinauf, wo Spiele ein Band um die Nation schlangen.

Abb. 1 Die Wein – und Theatinerstraße im Jahre 1825, links die Hauptwache. Steinzeichnung von Gustav KrausTelegraphische Depesche: München, Sonntag, 25. August 8½ Uhr morgens. Die Lokomotive „Vesta“ hat heute Morgen 7 Uhr mit einem Personenwagen Lochhausen begrübt und jubelnden Empfang bei Abfahrt und Ankunft gefunden.

(Aus der „Augsburger Abendzeitung“ vom 26. August 1839.)

Abb. 1 Die Hochbrückmühle und das Bäckerknecht- Bruderschaftshaus im Tal. Radierung von F. BollingerEine der ersten Regierungshandlungen König Ludwigs I. war die Verlegung der Ludwig Maximilians-Universität von Landshut nach München im Jahre 1826. Zu den Gelehrten der Akademie traten damit als neues Element im wissenschaftlichen Leben Münchens die Universitätsprofessoren. Einer von diesen, Professor G. H. von Schubert, der als Ordinarius für Naturgeschichte aus Erlangen berufen war, schreibt in seiner Selbstbiographie „Der Erwerb aus einem vergangenen Leben“ über das Leben der gelehrten Kreise Münchens in der Frühzeit der Akademie:

Abb. 1 Abschied des Königs Otto von Griechenland am 6.Dezember 1832. Nach einer Zeichnung von Ph. Foltz. Lithographiert von G. BodmerLuise von Kobell, die Tochter Franz von Kobells, die „Unter vier Königen Bayerns“ viel erlebte oder aus Mitteilungen ihrer Familie unter diesem Titel zu einem zweibändigen Werke zusammentrug, schreibt:

Die Persönlichkeit Ludwigs I. muß man mit dem, wenn auch etwas abgenützten Worte „interessant“ bezeichnen. Schön soll er in seiner Jugend gewesen sein; als ich ihn sah, war er es nicht mehr.

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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