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Viele führende Mitglieder der 1925 entstandenen, später unter J. Goebbels stehenden und kontrollierten „Deutschen Akademie“ – nach 1945 wurde sie verboten – fanden sich unter neuen Vorzeichen und mit breiteren, weltoffeneren Ansätzen im westlichen Deutschland des Jahres 1951 wieder.

Es sollte nun nicht mehr um die Betreuung und Weiterbildung von ausländischen Deutschlehrern in Deutschland gehen, wie der Kern der Deutschen Akademie es vorsah, sondern auch um die Erhöhung der Kenntnis der deutschen Sprache und Kultur in aller Welt. Da zumeist ¾ der Instituts-Kosten vom Bund getragen werden, ist immer wieder über Sinn und Einsatz der Mittel gestritten und gerungen worden. Viele Stimmen kritisierten bereits in den 60ern, als man sowohl konservative als auch progressive Autoren für Instituts-Zwecke lesen ließ, dass eine Vermittlung der westlichen Werte bis in den Sudan eine Form von postkolonialer Arroganz mit sich bringe.

Gerade gegen die verstaubte und zum Teil düstere Verbreitung deutscher Kultur-Güter richtete sich die Kritik eines gewissen F. J. Strauß, der als positives Gegenbeispiel oftmals gelungener Vermittlungsarbeit das Leipziger Herder-Institut der DDR ! lobte !, das von 1956-1993 sehr vergleichbare Ziele verfolgte.

Heute verfolgt man im GI eher einen Ansatz der harmonisierenden, Völker verbindenden Strategie, wobei viele Institute im Ausland demokratiefördernd wirken sollen und vielfach von den ansässigen Botschaften sowie Außenministerien unterstützt werden.

Neben allen Debatten sowie starken finanziellen Nöten (Schließungen von bis zu 25 % der Standorte), ist das Goethe Institut jedoch speziell für Deutsch-Sprachkurse von Kanada bis Indonesien bei Zehntausenden Interessierten angesehen, akzeptiert und eine etablierte Anlaufstelle. Es gibt für Schüler und Schülerinnen deutsche Filme wie etwa in Sydney, moderne Medien wie in Warschau, gute Bibliotheken wie in Peking, sowie Ausstellungen wie z. B. zuletzt von Pavel Schmidt im Prager Goethe Institut.

Speziell in den letzten 20 Jahren erhöhte sich die Zahl der Standorte in Osteuropa und dem Mittleren Osten, wobei das Goethe Institut in Kairo zu den größten überhaupt gehört. Gerade vor kurzem wurde das erweiterte Goethe-Zentrum im zyprischen Nikosia errichtet, welches als Kulturen verbindendes Gebäude absichtlich auf der Line zwischen der griechischen und türkischen Grenze steht.

Das Goethe Institut ist nach 60 Jahren viel positiver angekommen und vermittelt in viel optimistischerer Art ein vielfältiges Bild von Deutschland, als sich viele dies im Land denken. Mit der Aufgabe des GI, weiterhin ein komplexes, tiefgründiges, einladendes Bild unseres Landes von Südafrika bis Norwegen zu geben – zur Bekämpfung von Klischees und Vorurteilen – kann man demnach leicht einverstanden sein.

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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