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Der durch das Goethe Institut München und die Akademie der Künste unterstützte edle Band von knapp 400 Seiten macht die Tür zur Vergangenheit in die Kulturrevolution weit auf und befragt die äußerst unterschiedlichen Künstler nicht nur nach der Entwicklung durch die Jahrzehnte, sondern auch zu den Perspektivwechseln, denen sie nach dem Fall des Eisernen Vorhanges und der langsamen Öffnung Chinas unterworfen waren.

Hierbei mischte man absichtlich junge Künstler wie die 1978 geborene Cao Fei, die sich mit RMB City und in Second Life einen Namen machte – mit älteren und zum Teil als quasi Dissidenten lange im Ausland lebenden Kunstschaffenden wie dem gestandenen Semester und Regisseur Meng Jinghui, der Godot und Fassbinder-Filme für die Bühne neu inszenierte.

Wu Weishan - BildhauerWas als Ziel-Frage von den Interviewern und Herausgebern J. Odenthal und H. G. Knopp wiederholt gestellt wurde: Was an der Kunst und ihrer Darstellung, ihren Themen und Sujets ist heute betrachtet ursprünglich, traditionell, uralt folkloristisch – und was wurde u.a. während der Kulturrevolution als typisch chinesisch suggeriert? Dies ist freilich eine wichtige Frage, zumal in vielen Ländern unter zahlreichen Regimen durchaus Umdeutungen des Geschmacks, der Ästhetik und der Werte zu beobachten waren, allein wenn man nur Deutschlands Geschichte betrachtet.

In naturgemäß sehr farbigen, umgreifenden Antworten kann sich der Leser diese und andere Fragen beantworten lassen sowie in zahlreichen Fotos die Kunstwerke zumindest in Ansätzen verfolgen.

Womit scheinbar viele der Befragten ihre Sorgen durch die Jahre hatten, war die Entwicklung vom sich langsam öffnenden Heimatland, das verwirrt und sehr variantenreich mit Kunst-Imitation, Adaption an westliche Ästhetik-Konzepte und seine Klassiker umging. Der Bildhauer Wu Weishan beschreibt dieses Thema sehr tiefgründig.

Guo Wenjing - KomponistDarüber hinaus vermittelt das Buch auch Hinweise auf die Postmoderne und ihre neuen medialen Möglichkeiten.

Während Cao Fei von einer verlagerten Realität im Internet und der geschaffenen Spiele-Software spricht, betont die Choreografin Gaoyan Jinzi die individuellen neuen Schönheitskonzepte, die beim Publikum zwangsläufig unterschiedlich aufgenommen werden und früher homogener waren.

Abgeschlossenen wird der Band „Zeitgenössische Künstler aus China“ mit Biographien der Befragten.

So wird mit dem Thema China auch ein Kreis der kulturellen Welt in der Buchreihe Positionen geschlossen.

Gerade feierte nämlich das Goethe Institut mit Feiern sein 60-jähriges Bestehen in München, aber auch u.a. mit dem eh. ZDF Intendanten M. Schächter in Berlin.

 

Man darf nach diesem China-Band in jedem Fall gespannt sein auf weitere Publikationen der "Positionen" Reihe.

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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