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Einsam nach St. Anton möcht' ich wallen,

Nach der Schattenlaube, dicht verzweigt;

Wo, bestreut mit Hütten, menschenrege,

Sich das Tal dem Blick' am Besten zeigt.

Wo auf hainbedecktem Fuß der Kramer

Ragt, die Scheitel wolkbekränzt,

Jenseits Garmisch aus den Bergen brausend

Gleich dem Silberschmelz die Loisach glänzt.

Wo in Mitte finstrer Tannenwälder

Hellern Grünes sich die Buche hebt,

Aus der Bergeskett' im Hintergrunde

Stolz der Daniel gen Himmel strebt.

Hoher Andacht voll wünscht' ich zu wandern

Nach der Werdenfelser Burgruin',

Wo ehrwürd'ger Vorzeit Schattenbilder

Still im Dämerlicht' vorüberzieh'n.

Schön ist es, wo im Kanizengrunde

Hygieias heil'ger Quell entspringt

Und dem armen leidensvollen Dulder

Trost und Heilung die Najade bringt;

Schön, wo über grausenvoller Tiefe

In der Klamm die Wunderbrücke hängt,

Wo durch taubenetzte Felsenwände

Hochaufschäumend sich die Partnach zwängt.

Schön sind, Bayerns Hochland! deine Täler,

Deiner Berge felsgeschmückte Au'n.

Unvergleichbar schön im Partnachtale

Sind Alpinas Wunder anzuschau'n!

Wo des königlichen Zugspitz Stirne

Ewig die Demanten Krone trägt,

Die des Herrschers dieser Bergesriesen

Hocherhab'nes stolzes Haupt bedeckt.

 

Vogt, Karl Wilhelm (Pseudonym: Wilhelm Volkgart.) München, 1834

 

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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