mein-bayern.jpg

Die Kirche ist im Kreuz gebaut nach guten Grundverhältnissen, ihre Länge betragt 226', ihre Breite 126'. Über dem Kreuz wölbt sich eine hoheKuppel; zwei Türme erheben sich an der Vorderseite. Von einem Baustil ist nicht wohl mehr die Rede, alle Ordnungen sind nach der Weise des achtzehnten Jahrhunderts durch einander geworfen; doch herrschen im Innern korinthische Motive vor, welche der Prachtliebe, die sich auch in überreichen Stuccaturen gefiel, zumeist zusagten. Das Mittelschiff deckt ein Tonnengewölbe, statt der beiden Seitenschiffe bilden die das Gewölbe tragenden Pfeiler vier größere und zwei kleinere Altar-Nischen. Der größte Reichtum der Stuccaturen ist auf das hohe Chor und das Kreuzschiff verwendet. Das Hauptaltarblatt stellt die Kurfürstin Adelheid nebst ihrem Gemahl und dem Prinzen Max Emanuel im Dankgebete gegen den heiligen Cajetan dar und ist von Zanchi. Die Gemälde der übrigen zwölf Altäre sind von Cignani, A. Triva, Demarées, J. Sandrart, C. Loth. Die Kreuzabnahme ist von Tintoretto. Darunter ein in alter Weise gemaltes Madonnenbild mit dem Christuskinde.

Hinter dem Hochaltar ist der Musikchor; unter demselben die dritte oder neueste Fürstengruft mit den Leichnahmen der Stifter, ferner Max Emanuels und aller nachfolgenden Herzoge, Kurfürsten, Prinzen und Prinzessinnen, auch Kaiser Karls VII, der Kaiserin Amalia, des Königs Maximilian, † 1825 d. 13. Oct. und der Königin Carolina. †1841 den 13 Nov. An den Seitenmauern des Querschiffs sieht man die marmornen Denkmale des 1803 im dritten Lebensjahre verstorbenen Prinzen Maximilian, und der im elften Lebensjahr 1821 verstorbenen Prinzessin Josepha Maximiliana Carolina, letzteres von Conrad Eberhard. Über einem antiken Sarkophag ist ein Relief eingelassen, auf welchem das entschlummerte Fürstenkind mit gefalteten Händen auf einem Ruhebette liegt, dessen Vorhänge zwei Engel halten. Die von Schmerz ergriffene Mutter wirft sich über das „innigstgeliebte, heiß beweinte“ Kind.

Ehedem bewahrte die Sakristei manche bedeutende Gemälde von Paul Veronese, Andrea del Sarto etc., die jedoch in die königl. Sammlungen übergegangen. Dafür findet der Freund der Kunst gegenwärtig daselbst ein schönes Gemälde von Heinrich Heß (dem Maler der Allerheiligenkirche), die Grablegung Christi, von ihm noch vor seiner Reise nach Italien gefertigt (im Jahre 1820).

 

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

>> mehr