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Ihr Gesang ist eine herrliche Arabeske im Münchener Künstlerleben. Regelmäßig erschallt er in einem Nebensaale des Englischen Kaffeehauses, wo an sechsunddreißig Kunstzöglinge sich unter dem Namen „Neu-England“ zu einer heitern Abendgesellschaft konstituiert haben. Von Zeit zu Zeit gibt es eine ihren Standesgenossen und Freunden gewidmete Produktion; auch kann man diese frische Sängerschar bei feierlichen Anlässen, Cornelius-Fest, Gärtner-Diner, bei Künstler-Maskenbällen und Banketten zu hören bekommen. Für ihre selbständigen Festlieder haben sie ihren eigenen Maler-Dichter, Felix von Schiller ans Braunschweig. Schiller, ein Name, bei dem aller Deutschen Herzen aufgehen. Der ausübenden Maler sind bei dieser Nova-Anglia (nur von dem Sitz der Gesellschaft so genannt) wenige; die meisten noch Schüler der Akademie. Ihre Lehrer und Professoren, meistens verheiratet, bleiben des Abends zu Hause; ihre Meister, vor deren Bildern sie auf dem Kunstverein und in deren Ateliers lernen, kommen teils bei dem Kafetier Schimon in der Kaufingerstraße, teils bei dem Stubenvollbräuer auf dem Anger (früher bei Findel) zusammen. Dort werden die Trophäen künstlerischer Feste gruppiert und aufgehängt und mit der rechten, vollkommenen Einsicht in die Technik die neuesten Kunstleistungen besprochen Kommt ein Fest, so wird dieses mit den Frauen entweder in einem Saale auf dem Prater, ein ländliches auf der Menterschwaige gefeiert. Theaterstücke zur Parodie unserer Zeit werden geschrieben und aufgeführt oder ein charakteristischer Maskenball gegeben. Unvergesslich allen sind jene lebenskräftigen Bilder der Vergangenheit, die Maskenzüge der Künstler im königlichen Hoftheater (1838 bis 1840), die Gestalten aus Wallensteins Zeit und Lager, noch mehr aber der Einzug Kaiser Maximilians I. in Nürnberg, wobei über 300 Personen, Bürger und Gefolge des Kaisers, Mummenschanz und Meistersänger, die berühmten Künstler, Gelehrten, kaiserlichen Räte, Kriegsobristen und Feldhauptleute aus der erstell Hälfte des 16. Jahrhunderts, von Künstlerhand wieder ans Licht gerufen, erschienen. Die deutschen Maler aus dem Zeitalter König Ludwig des Ersten haben sich in der großen Mehrzahl den Toilettenformen der Gegenwart entrückt; sie sind herrschend geworden und haben sich auf Natur, Geschichte und Romantik zurückgezogen. Die gefeierten Künstler-Bälle (1827-33) zuerst im „Bauhof“, hierauf im Hotel zum schwarzen Adler, dann im großen Odeonssaale gehalten, wozu die Elite der hiesigen Gesellschaft eingeladen war, wo die gesamte königliche Familie sich zeigte, können jetzt nicht mehr stattfinden; der Ton der Salonwelt, dem sich die Stifter und Chorführer unterwarfen, ist bei dem starken Volke unbeliebten Andenkens geworden. Nicht mit Unrecht ist ihm der Frack verhasst; das Modern-Konventionelle ist der Tod des Poetischen.

Das Englische Kaffeehaus stand am Dultplatz dem jetzigen Maximiliansplatz an der Stelle, wo heute das Bernheimerhaus steht. Das Findelsche Wein- und Gasthaus befand sich in der Dienersgasse, der Gasthof zum schwarzen Adler in der Kaufingerstraße.

Abb. 1 Maskenfest im alten Rathaussaal. Radierung von F. Bollinger

 

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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