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zunächst U. L. Frauenkirche. Diese sind eigentliche Kaffeewirtschaften und werden des Abends geschlossen. In den Küchen wird der sogenannte Haferlkaffee gereicht. Die besuchtesten Männer-Kaffeehäuser sind Tillmetz, Kastner (im zweiten Stock) Scheidel, Krois, Fink das Englische Kaffeehaus und Reubel im Englischen Garten. Bei Kastner liegen unter allen Kaffees die meisten Tageblätter und Journale; bei Scheidel findet man den Schachklub, bei Tillmetz die ausdauerndsten Kartenspieler. La banque und der Würfel und alle Hasardspiele sind in Bayern verboten. In vertrauten Kreisen gehen sie dennoch ungestört fort. Wer die Eleganz der französischen oder Wiener Lokale hier suchen wollte, irrt sich. Nur eines macht den Anspruch, in diesem Sinne fashionable zu sein: Tambosi unter den Arkaden am Eingange des Hofgartens. Dies ist ein von Künstlerhand geschmücktes Kaffeehaus mit allen begehrten Vorzügen. Tambosi ist das Gesellschaftshaus der jungen Leute. Dort kannst du die ausgezeichnetsten Schauspieler und Musiker, die vorzüglichsten Maler, Literaten, Studenten, vornehme Offiziere, interessante Fremde, die besten Karten- und Billardspieler kennen lernen. Es wird viel gespielt und kritisiert bei Tambosi. Der Ton ist frei und anständig. Aber auch flotte Burschen und schlechte Zahler fehlen nicht. Man kann gewiss sein, jeden Abenteurer, der nach München kommt, bei Tambosi zu sehen. Vor dem Buffet unter den Kastanienbäumen des Hofgartens, wo nicht geraucht werden darf, stehen grüne Tischchen für die schöne Welt, und sie sind vorzugsweise an Sonn- oder Festtage, sowie an Mittwoch- Abenden bei der vom Mai an stattfindenden Militärmusik zahlreich besetzt. Tambosi hat auch eine
Schokoladefabrik; aber berühmter ist die von Mayerhofer und die Saitini-Babellische.

Abb. 2 Münchener Sommerkeller. Steinzeichnung von Friedrich KaiserIn einen bescheidenen Häuschen in der Mitte der Prannersgasse floriert diese bereits seit fast einem Jahrhundert (wohl ein seltenes Beispiel solchen Bestandes) ebenso bescheiden, und erst in der jüngsten Zeit hat der Inhaber Pietro Poglia ein Schild an den Laden geheftet mit der Firma und mit der Jahreszahl: „Besteht seit 1765“. (Aus dem Münchner Hundert und Eins.)

Das Kaffeehaus von Tillmetz befand sich in der Rosengasse, jenes von Scheidel in der Kaufingerstraße, Krois in der Dienersgasse, Fink - heute noch als Café Baumann bestehend - am Frauenplatz, das Englische Kaffeehaus am Dult- (Maximilians-) Platz, an der Stelle des heutigen Bernheimerhauses.

Abb. 1 Junge Münchnerinnen im Sonntagsstaat. Zeitgenössische Steinzeichnung
Abb. 2 Münchener Sommerkeller. Steinzeichnung von Friedrich Kaiser

 

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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