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Der Sonntag Morgen aber hat in den schönen Sommermonaten sein eignes Publikum; da sieht man ihn von der Morgenröte an bis gegen 7 Uhr von einer Menge junger und zum größten Teil hübscher Mädchen der dienenden Klasse belebt, welche diese wenigen Stunden, wo sie zu Hause abkommen können, benützen, um mit dem Gegenstand ihrer Verehrung einen Kaffee am Chinesischen Turm zu trinken und ein trauliches Wort zu kosen. Es ist interessant, wenn man gegen 8 Uhr früh dahinkommt und allen diesen zurückkehrenden einzelnen Liebespaaren begegnet, welche dann eilen, um zu Hause nicht den Dienst bei der gestrengen Herrschaft zu versäumen.

Mittag in den Arkaden

Der Gottesdienst ist beendet, und alles strömt nach 11 Uhr dem Hofgarten zu; die Damen in feiertäglichem Gewande machen ihre Promenade in den herrlichen Arkaden. Scharen von Elegants stehen am Cafe von Tambosi und lassen diese vorüberschwebenden, reizenden Erscheinungen eine scharfe Kritik passieren; die Wachtparade kommt mit dem klingenden Spiele und herrlicher Musik vorbei, und dann wird nach dem Kunstverein am Ende des Bazars gewandert, an diesem Tage weniger der Kunst als der schönen Damen wegen. Denn das Gedränge ist dort so groß, daß man wirklich die an jedem Sonntag neu ausgestellten Schätze der Kunst kaum zu sehen bekommt, vielweniger aber sie mit Muße betrachten kann; indes - es gehört zur Mode!

Der Nachmittag

An diesem sind die Straßen wie ausgestorben; Alles ist nach den Umgebungen hin gezogen; man macht kleinere oder größere Partien, zu Fuß, zu Wagen oder auf der Eisenbahn nach den verschiedenen Orten. Mit der sinkenden Sonne wird München erst wieder belebt; man eilt dann dem Theater oder seiner geschlossenen Gesellschaft zu.

Abb. 1 Der Hofgarten

 

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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