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Wenn in der Medienwelt über Landwirtschaft berichtet wird, dann können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um Negativschlagzeilen handelt (Proteste, Skandale, Streiks). Schließlich leben wir jenseits staatlich gelenkter Berichterstattung, wo das Verkünden übererfüllter Planzahlen auf der LPG SOUNDSO den Leser, Zuschauer oder Zuhörer gelangweilt hat.

Heute konsumiert der Durchschnittsbürger gleich nach dem Verzehr von dioxinverseuchten Eiern und Schweineschnitzeln die schauerlichen Nachrichten, wie das Gift von gewissenlosen Geschäftemachern ins Tierfutter gemischt worden ist und wenig später erfahren wir, welche Anstrengungen Bund und Länder Jahr um Jahr unternehmen, damit sich solche Skandale in steter Regelmäßigkeit wiederholen. Ja, wir Durchschnittsbürger sollten solche Anstrengungen nicht verkennen, denn durch Negativbeispiele ist dem Verbraucher nun mal am ehesten klarzumachen, tatsächlich am Ende der Nahrungskette zu stehen.

Ich bin zu bissig? Nun, ich räume ein: der Gesetzgeber (einschließlich Frau Künast: Verbraucherschutzministerin in der Schröder-Ära) muss nicht mit kriminellen Elementen rechnen, die sich über laxe Verordnungen hinwegsetzen und auf die sporadische Kontrolltätigkeit der Behörden vertrauen. Der Gesetzgeber darf an das Gute im Menschen glauben. Nichts anderes tun Landwirte Tag für Tag (was bitte wörtlich zu nehmen ist):

Im Vertrauen auf Rechtschaffenheit kaufen sie Futtermittel und füttern damit ihre Tiere – man merke auf: lebendige Wesen – damit wir für billiges Geld ausreichend zu Essen haben. Doch kaum flimmert über den Bildschirm, der Dioxingrenzwert in Eiern sei um ein Vielfaches überschritten, da erschrecken wir und lassen die Finger von den Eierpaletten, die sich im Supermarkt stapeln. Wir fürchten um unsere Gesundheit. Nur natürlich! Nur: Informiert sind wir nicht in korrekter Relation.

Wie viel Eier müsste man täglich verspeisen müsste, um einen Schaden davonzutragen? Es sind so aberwitzig viele, dass man eher an ihrem Cholesteringehalt zugrunde ginge. Doch bis diese Erkenntnis greift, ist der eine oder andere Legehuhnbetrieb in den Ruin geschlittert, weil auch auf seinen Produkten der Makel haftet, der Umsatz stagniert, er nichts erlöst, aber die Bank jeden Monat die Rate für den neuen Hühnerstall abbucht. Wir erinnern uns vage: Da war doch mal was mit einem Verbot von Käfighaltung, nicht wahr?

Fragt man in einer Fußgängerzone, wie viele Eier ein Huhn zu legen imstande ist, erhält man erstaunliche Zahlen. Bei der Masse Eier, die da täglich über die Bänder der Sortierstationen kullern, traut man den befiederten Eierlegern eine Leistung von bis zu 6 Stück täglich zu. Lieber Verbraucher! Erinnerst Du nicht an das Lied: “Ich wünscht, ich wär’ ein Huhn, ich hätt´ nicht viel zu tun, ich legte jeden Tag ein Ei – und sonntags auch mal zwei!“ Man darf diese Aussage aus den 1920er Jahren für bare Münze nehmen. An der Legeleistung hat sich in 90 Jahren nichts geändert. Nun vergegenwärtigen wir noch, dass so ein Legehuhn-Leben nach maximal zwei Jahren gelebt ist, vorausgesetzt, die Vogelgrippe oder der nächste Futtermittelskandal kommt unversehens daher und bestimmen Anderes, dann steht dem Landwirt die nächste Investition ins Haus – ein junger Bestand.

Und wenn sich die medialen Wogen geglättet haben, der Appetit auf Eier wieder erstarkt, Du ins Supermarktregal greifst, lieber Verbraucher, und es nur recht und billig findest, dass ein Ei 10 Cent kostet – dann gehe in Dich und frage, wie ein derart ausgereizter Preis zustande kommen kann, frage Dein Gewissen, ob nicht weniger mehr ist, ob es Dir egal sein darf und sinnvoll ist, dass Dein Frühstücksei unter Umständen 600 km „herangekarrt“ wird. Unsere Haus- und Nutztiere sowie deren Produkte sind Kulturgüter. Werde Deiner dessen bewusst und lerne es schätzen. Vor allen Dingen lerne die Menschen schätzen, die es pflegen und bewahren, damit Du immer zu essen hast.

Viele Bürger wissen viel zu wenig über Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, glauben aber oft, Bescheid zu wissen, eben weil sie täglich mit Lebensmitteln zu tun haben. (Alle bringen ihr Geld zur Bank, doch wie viele wissen, wie eine Bank exakt funktioniert?)

Wir glauben, es ist an der Zeit, dass auch Landwirte selbst zu Wort kommen – außerhalb ihrer Verbände – und auf breiter, öffentlicher Plattform für eine Image-Verbesserung bereit stehen, informieren und aufklären, denn mit wachsendem Wissen werden die dunklen Flecken der Unwissenheit weggefegt, zusammen mit Bauernverbänden; Ministerien und anderen Institutionen.

Wir laden unsere Leser gern ein, sich anzusehen, wie der Agrarwissenschaftler Wilhelm Ritter von Hamm schon vor 150 Jahren sich ernsthaft Gedanken machte über das Image des Landwirtes, und in welch schönen Geschichten er die Arbeit, Mühe und Werte verpackte, die Landmänner und Landfrauen schaffen.

Dr. Carsten Schmidt

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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