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— Die heute an ihrer Stelle stehende, die größte der Stadt, wurde von Herzog Sigismund gebaut von 1468 bis 1488, und am 14 April 1494 eingeweiht. Der Platz, auf dem sie steht — wahrscheinlich auf die Größe der frühern kleinen Kirche berechnet — steht außer allem Verhältnis zu ihr, so dass man von keiner Seite eine genügende Ansicht hat; jedoch erlaubt eine Stelle an der Nordwestseite einen leidlichen Abstand, so dass man einen Teil des Schiffs und die beiden zu beiden Seiten des Hauptportals sich erhebenden Türme übersehen kann. Das Eigentümliche diejes im spätern altdeutschen Stil aus roten Backsteinen aufgeführten Gebäudes besteht in einer gewissen Schwerfälligkeit, die ihren Grund wohl in dem Mangel fast aller üblichen Zierraten, Wulste, Hohlkehlen, Durchbrechungen, Bänder, aber vorzüglich in dem Umstande hat, dass die die Wölbungen tragenden Strebepfeiler, die sonst überall außerhalb angebracht sind und ein Hauptmotiv für Zierde unb Reichtum bilden, hier ins Innere der Kirche gerückt sind, wo sie dann Gelegenheit zu den vielen geschlossenen Seitenkapellen geben, die in dieser Weise sonst an wenigen Orten gefunden werden.

An den fünf Portalen findet man mehre Skulpturen aus der Zeit der Erbauung der Kirche, namentlich an dem westlichen oder Hauptportal eine Madonna mit dem Kinde, einen Christus, seine Seitenwunde zeigend, und ein Gebet am Ölberge; an der westlichen Tür der Südseite zwei Statuen, die eine Verkündigung, an der östlichen zwei andere, die ein Ecce Homo und eine Madonna mit dem Kinde vorstellen. An der letzteren Tür befinden sich auch die in Stein gehauenen Urkunden über die Zeit der Erbauung und den Stifter der Kirche, Sigismund, welcher in Verehrung der Madonna über den von ihm selbst verfassten lateinischen Distichen abgebildet ist.

Unter den Grabsteinen, die ringsum am äußern Sockel der Kirche angebracht sind, haben nur wenige allgemeines Interesse; doch verdient das Denkmal des berühmten Meisters der Tonkunst, Conrad Paumann von Nürnberg vom J. 1473, auch wegen der darauf abgebildeten Instrumente jener Zeit (an der Südseite), und eine Erweckung Lazari, nebst der Verehrung des auferstandenen Christus, Hochrelief in rotem Marmor aus dem sechzehnten Jahrhundert (an der Ostseite), einige Beachtung. Auch die Sonnenuhr mit einem Frescogemälde von Schruudolph (v. J. 1830), Maria mit dem Kinde und zwei Engeln, ist sehenswert.

Die ganze Länge der Kirche betragt 336 Fuß, die Breite 180 Fuß, die Höhe bis zum First des Daches 230 Fuß, bis zum Schlusse des Gewölbes nur 115 Fuß; die Höhe der Türme kommt der Länge der Kirche gleich.

Das Innere teilt sich in drei Schiffe, von denen das mittlere das breiteste ist, und 24 Seitenkapellen; 22 Säulen von 7 Fuß Durchmesser, nebst den gegenüberstehenden Streben, tragen die gerippten Gewölbe. Von den dreißig (70 Fuß hohen) Fenstern sind fast alle mit Glasmalerei aus dem fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert geschmückt.

Die Altargemälde sind mit wenigen Ausnahmen aus der Zeit des Verfalls der Künste; die Himmelfahrt Mariä über dem Hochaltar ist von Peter Candid; außerdem sind eine Verkündigung von Caravaggio, und mehrere Bilder von Rottenhammer, Christoph Schwarz, A. Loth u. A. zu nennen. Nur sehr wenige ältere Gemälde befinden sich noch in der Kirche, unter denen eine Bekehrung Pauli und ein heiliger Martin in der Kapelle neben der westlichen Tür an der Mittagseite bemerkenswert, so wie die Kopie des jüngsten Gerichts von Michelangelo unter dem Orgelchor. Die Kreuzabnahme am entgegengesetzten Pfeiler ist vom Dir. Joh. Peter von Langer. Auch die Gedächtnistafel an die durch Kurfürst Karl Theodor gestifteten Armenversorgung, ein Relief in Marmor von F. Schwanthaler, dem Vater des jetzt lebenden ausgezeichneten Bildhauers L. Schwanthaler, in einer der Seiten-Kapellen (gegen Nordost), ist nicht zu übersehen und überrascht durch seine edle, in jener Zeit gar nicht übliche, Einfachheit.

Das bei weitem umfangreichste Kunstwerk im Innern der Kirche ist unter dem Triumphbogen, zwischen Schiff und Chor, über der alten Fürstengruft (in welcher die irdischen Reste der bayerischen fürstlichen Personen von 1295 — 1628ruhen), das Grabmal Kaiser Ludwigs des Bayern, im Jahr 1622 von Kurfürst Marimilian errichtet und nach dem Entwurf von Peter Candid ausgeführt von dem Bildhauer und Erzgießer Joh. Krumpter. Die Länge dieses Werks betragt 16 ½ Fuß, die Breite 11', die Höhe 13'. Es besteht aus einem Katafalk von dunkelrothem, fast schwarzem Marmor; Figuren und Zierraten sind Erzguss. Die beiden weiblichen Gestalten auf der obern Ost- und Westseite tragen die Insignien der Kaiserwürde, Szepter und Reichsapfel, Schild und Schwert; die Krone liegt auf einem Kissen zwischen beiden. Engelsköpfe und kleine Schildhalter zieren das Gesims, unter welchem eine Inschrift zu lesen, woraus erhellet, dass Maximilian nur die Pläne seines Vaters und Großvaters hinsichtlich dieses Denkmals ausgeführt, deren kolossale Erzstatuen desshalb die Nord- und Südseite desselben schmücken und zwar die Albrechts V in gewöhnlicher, die Wilhelms V in der Tracht des Ordens des goldenen Vließes. An den vier Ecken knien, als Wächter des geheiligten Grabes, vier geharnischte Männer mit Standarten, auf denen die Namen Kaiser Karls des Großen, Ludwigs des Frommen, Karls des Dicken, Ludwigs IV und ihrer Gemahlinnen zu lesen sind.

Höchst beachtenswerth ist der Stein, über welchem dieses Mausoleum aufgeführt worden, und der nur noch theilweise durch seitwärts angebrachte Oeffnungen sichtbar ist. *) Dieser Stein von rotlichem Marmor mag ehedem die Fürstengruft allein bedeckt haben, und ist aus der Zeit der Erbauung der Kirche, wahrscheinlich von dem fürstlichen Gründer derselben errichtet. In Hochrelief sind darauf drei Gestalten abgebildet, von denen die obere unfehlbar den Kaiser Ludwig im Krönungskleide, auf dem Throne sitzend, vorstellt; Engel halten den Baldachin zu Häupten desselben. In der untern Abteilung reichen ein älterer Mann und ein Jüngling sich die Hand; an letzteren springt ein Löwe schmeichelnd empor. Man gibt diesen beiden Gestalten die Namen: Kaiserin Beatrix und Stephan fibulatus, also Gemahlin und Sohn Ludwigs, ohne auf die Bedeutung des Löwen Rücksicht zu nehmen. Verfasser dieses hält sie dagegen für Herzog Ernst und dessen Sohn Albrecht, den Vater Sigismunds, und die Darstellung selbst als die Versöhnung zwischen beiden. Bekanntlich hatte Herzog Ernst für seinen Sohn Albrecht (genannt der IJunge, nachmals der Fromme) die Prinzessin Anna von Braunschweig zur Gemahlin bestimmt, und als er dessen heimliche Ehe mit Agnes Bernauerin erfahren, diese grausam ermorden lassen. Racheglühend sammelte Albrecht ein Heer und zog verwüstend durch sein eigenes Erbe.

*) In Umriss auf Stein graviert bei S. Franz. 15 kr. Sehr gut.

Des Vaters Bitten, des Kaisers Drohen halfen nichts, nur die Zeit hob allmählich mit dem Schmerz die Wut. Ruhig kam er zum Vater nach München, der ihn gerührt empfing und gänzlich sich versöhnte. Dieß ist der Sinn der Darstellung, und darauf bezieht sich der schmeichelnde Löwe. — Dass aber gerade Ernst und Albrecht mit Ludwig zusammen auf dem Stein der Fürstengruft abgebildet sind, erklärt sich daraus, dass Ludwig der erste war, der hier begraben worden, und Ernst und Albrecht die letzten vor dem Stifter der Kirche, Herzog Sigismund. Zum Überfluss finden sich auch die Buchstaben E (Ernst), L (Ludwig) und A (Albrecht) am Fußende des Steins. Die Inschrift der sehr beschädigten Hohllippe trägt die Namen „Albrechts des Jungen und der Anna von Praunschwig,“ mit welcher er nachmals seinem Vater nachgebend, sich vermählt. Die Umschrift des Steines aber lautet:

a. d. 1347 am dritten Tag nach S. Dionysi starb der durchlauchtigst römisch kaiser allzeit merer des reichs Pfalzgraf bei rein, herzog in baiern etc. hie begraben mit den nachgenannten sürsten und herzogen johannes ernst wilhelm adolf albrecht d. jungen allen sürsten von baiern.

Die angebrachten Wappen sind das Reichs- und die beiden bayerischen Wappen.

Oberhalb des Denkmals, nach dem Hochaltar zu, sind noch die alten Chorstühle mit den in Holz geschnitzten Brustbildern von 40 Heiligen (Aposteln, Propheten und Kirchenvätern), so wie die Sitze des Erzbischofs zu beiden Seiten des Altars, mit den gleichfalls in Holz geschnitzten Statuetten von 24 Bischöfen und Päpsten zu bemerken, Arbeiten aus der Zeit der Einweihung der Kirche. — Von den drei Orgeln der Kirche ist die große, auf dem westlichen Chor, an der Stelle der alten gebrochenen aus dem siebzehnten Jahrhundert, im J. 1820 vom hiesigen Orgelbauer Frosch errichtete sehens- und hörenswert; wie denn überhaupt die Zeit wahrzunehmen, wann in diesen, heiliger Musik höchst günstigen Räumen feierliches Hochamt etc. ist. — Frommen Wanderern wird es wichtig seyn zu wissen, dass die Gebeine des heiligen Benno, des Schutzpatrons von München, in dieser Kirche aufbewahrt und bei besonderen Veranlassungen zur Verehrung ausgestellt werden. — Übrigens rechnet man unter die Merkwürdigkeiten dieses Gebäudes: die Fußstapfe unter dem Orgelchor, von welcher aus man keines der dreißig Fenster sieht, ferner am südlichen Pfeiler des Orgelchors die alten Bildnisse des Zimmermeisters vom Dachstuhl der Kirche (ohne Namenangabe) und des Maurermeisters Görg Chankoffen von Halspach, gest. 1488, der das Mauerwerk der Kirche aufgeführt, und den man gewöhnlich, ich weiß nicht mit welchem Rechte, den Baumeister derselben nennt; ferner den Cardinalshut, der auf dem hohen Chor vom Gewölbe herabhängt, und den ein Münchner Bürgersohn, Melchior Cleselius, nachmals Bischof zu Wien und Cardinal, 1607 hieher gestiftet; die große Türkenfahne von Mar Emanuel im J. 1688 bei griech. Weissenburg erobert; endlich ein großer Balken, wohl gezimmert und gemessen, den der Zimmermeister im Langhaus niedergelegt mit der Bemerkung, dass er im Dachstuhl fehle und dass derein rechter Meister sein solle der die Stelle dafür ausfindig machen könne.

 

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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