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Ihr Ansehn stieg und 1574 waren schon 50 ihres Ordens in München, das fortan der Mittelpunkt ihres Wirkens in Süddeutschland wurde. Sie gewannen Volk und Hof durch Glanz und Pracht kirchlicher Gebräuche und durch ihre Wirksamkeit als Lehrer, und Herzog Wilhelm V errichtete ihnen ein eigenes Prachtgebäude nebst oben genannter Kirche, wozu er selbst am 18 April 1583 den Grundstein legte, und die im J. 1591 vollendet, und am 29 Sept. d. J. eingeweiht wu rde.*) Baumeister war Wolfgang Müller. Ihre Länge beträgt 284', ihre Breite 114'; das Chor, von A.Gundelfinger gebaut, ist 84' lang und 54' breit. Der Turm, der 1590 noch während des Baues einstürzte, ist nicht wieder aufgeführt worden. Der Baustil ist der aus korinthischen und jonischen Motiven zusammengesetzte spät-italienische, in dem aber noch Sinn für edle Verhältnisse und für die Wirkung der Räume wahrzunehmen ist.

*) Die Hauptkirchweih war erst am 5. Juli. 1597

Die Fassade, gegen die Neuhauser Straße gelegen, ist mit vielen Skulpturen geschmückt. Zu oberst am Giebel der Weltheiland. Darunter Otto, Theodo und Theodowalda, als die ersten vom heil. Ruprecht getauften fürstlichen bayerischen Personen; Karl der Große, Otto I von Wittelsbach, Kaiser Ludwig der Bayer, Kaiser Ruprecht, König Christian von Dänemark, Kurfürst Ludwig der Brandenburger, Kaiser Maximilian I, Herzog Albrecht der Weise, Karl V, Kaiser Ferdinand und Herzog Wilhelm IV, sämtlich aus Marmor gehauen. — Zwischen den beiden Eingängen in einer Nische die Erzstatue S. Michaels, den Satan bezwingend nach einer Zeichnung P. Candids gegossen von Hub. Gerhard.— Im Innern ist das breitgesprengte schöne Tonnengewölbe bemerkenswert. Statuen und Gemälde tragen sämtlich das Gepräge der Zeit, in welcher die Kirche erbaut worden, und sind zum Teil von P. Candid. Das Hauptaltarblatt, der Sturz der bösen Engel, ist von Christoph Schwarz. Ein Kruzifix aus Bronze auf einem Kreuz von Ebenholz, am Kreuzaltar der rechten Seite, ist von Joh. Krumpter aus Weilheim, dem Erzgießer des Denkmals in der Frauenkirche. Die Seitenaltarbilder sind von Peter Candid, Viviani und Hans v. Aachen. Unter dem Chore befindet sich die zweite Fürstengruft, in welcher die Särge der Herzogin Renata und ihres Gemahls, des Gründers der Kirche, Wilhelms V, Marimilians I, mit seinen beiden Gemahlinnen, und Herzog Maximilian Philipps und seiner Gemahlin stehen. In dieser Kirche befindet sich auch das Denkmal des Herzogs Eugen von Leuchtenberg, welches Thorwaldsen in Auftrag der verw. Frau Herzogin in cararischen Marmor ausgeführt. — Auf einem Sockel von weißem Marmor sieht man den Herzog vor der verschlossenen Grabestüre stehend, aller irdischen Pracht entkleidet, die Krone, selbst die Waffen bis auf das Schwert zu seinen Füßen. Die Linke auf dem Herzen, hält er mit der Rechten einen Lorbeerkranz, welche beide Motive durch die in französischer Sprache abgefasste Überschrift: Ehre und Treue erklärt werden. Die Muse der Geschichte zu seiner Rechten schreibt die Taten des edlen und tapferen, Fürsten nieder; zu seiner Linken stehen in traulicher Vereinigung die Genien des Todes und der Unsterblichkeit. —

Außerdem ist darauf aufmerksam zu machen, dass in dieser Kirche, namentlich zur Charzeit die erhabenen alten Kirchenmusiken von Orlando di Lasso, Palestrina, Pergolesi etc. aufgeführt werden, und dass am Charfreitag Abend das Stabat mater des letzteren gewöhnlich bei Kreuzerleuchtung gesungen wird.

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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