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Mortadella MamamiaWas schmeckt besser? Bananen oder Banausen?

Nun sieht es auf den ersten Blick so aus, als wäre hier eine einfache Antwort möglich. Doch als Paul, mein Gastgeber während des Besuchs anlässlich des Oktoberfestes in München, uns in ein Lokal einlud, wo ich mich auf die bestellten Knödel freute, mit einem Gulasch hat ich ich sie bestellt. Als die dampfenden Teller vor uns standen, staunte ich nicht schlecht über die Riesenportionen, obwohl ich selber ein Vielfraß bin. Die prallen großen Knödel erinnerten mich an ein kürzlich gesehenes Tennisspiel.

Ein Versuch, die Knödel mit dem Messer zu zerteilen, misslang nicht nur, das gummiartige Ding sprang mir auch noch aus dem Teller und rollte auf Nimmerwiedersehen unter Nachbars Tisch. Ich trauerte ihm keine Sekunde nach, denn auch Nummer zwei besaß dieselbe Konsistenz. Die Außenhülle war so glatt und glänzend, dass kein Tropfen der leckeren Sauce es geschafft hätte, eine Verbindung einzugehen und sei es auch nur fürs Auge. Mein Appetit auf Knödel war damit für einige Zeit gestillt.

So kam es, dass ich einen Tag später in einem anderen Lokal die Frechheit besaß und den auf der auf der Speisekarte befindlichen „Schweizer Wurstsalat“ bestellte. Als mein Gericht vor mir auf den Tisch gestellt wurde, glaubte ich im ersten Moment an einen schlechten Scherz. Auf jeden Fall musste ich lachen. Das, was ich da bekam, und auch zu späteren Besuchen noch öfters auf fremden Tellern bestaunen konnte, war mehr als ein schlechter Witz. Das war gar nichts. Meine lieben bayerische Freunde, wer immer auf die glorreiche Idee gekommen ist, diese Etwas auf meinem Teller „Schweizer Wurstsalat“ zu nennen, der ist, so behaupte ich hier mal, nie in der Schweiz gewesen. Und wenn er einmal die Grenze überfahren hat und eingekehrt ist, dann hat er ganz bestimmt keinen „Schweizer Wurstsalat“ bestellt, geschweige denn gegessen. Nur so kann ich mir die Geschichte vorstellen. Die ist ähnlich entstanden wie ein Karl May Roman, wenn Sie verstehen, was ich meine. Aber nun genug gestänkert. Ich will die Sache auf den Punkt bringen und gleich die zwei Rezepte nebeneinanderstellen, damit Sie meinen Aufruhr nachvollziehen können. Hier zuerst die bayerische Verballhornungsversion des „Schweizer Wurstsalats“: Man nehme einen kalten Teller mit etwa 30 Zentimeter Durchmesser und lege darauf ein halbes Dutzend dünn geschnittene Scheiben Lyoner-Wurst nebeneinander. Das Ganze übergieße man mit reichlich Essig und einem undefinierbaren Öl. Voilà! Fertig ist der kulinarische Höhenflug.

So und jetzt zum Mitschreiben, Nachmachen und Genießen, das Rezept, welches, Sie in der ganzen Schweiz mit kleinen regionalen Änderungen bestellen können. „Orig. Schweizer Wurstsalat“: Dazu brauchen Sie pro Person 2 Cervelats oder Chlöpfer, wie man sie bei uns nennt. Sie ähneln der deutschen Bockwurst, sind aber kürzer, dicker und die feine Haut wird gepellt. Längs halbieren und quer in 5mm dicke Halbmonde schneiden. 2 Saure Gurken oder 5 Cornichons in 2 mm dicke Ringe schneiden. 1/2 gelbe Paprika fein würfeln. 50g Greyerzerkäse raffeln. Alle Zutaten in eine nicht metallene Schüssel geben und mit folgendem Dressing gemischt 2 Std. kühlstellen bis zum Verzehr: 1 dl. French Dressing Salatsauce mit 50 g Mayonnaise und 20 g scharfem Dijon-Senf mischen, mit Pfeffer, süßem Paprikapulver und einem Kaffeelöffel voll Schnittlauchröllchen abschmecken. Vor dem Servieren mit Zwiebelringen garnieren. Dazu ein frisches Bauernbrot und ... na was wohl? ... ein großes Glas kühles Bier. Na dann Prosit. Zum Schluss noch kurz, da wir schon bei der Wurst sind. Bei unserem letzten Besuch in Italien geriet ich mit meiner allerliebsten Ehefrau beinahe in einen kleinen Disput. Im Riesen-Supermarkt wollten wir allerlei Wurstwaren kaufen. Sie war der Meinung, dass ich die falsche Richtung eingeschlagen hätte und lief einfach linker Hand davon. Ich rief ihr nach, sie solle zurückkommen damit wir uns nicht verlieren. „Da vorne hat es keine Wurst, wo du hingehst“, sagte sie wild gestikulierend und zeigte geradeaus. „Hast du deine Brille auf oder nicht?“, fragte ich zurück und schoss in dem Moment dieses Foto ... Wie heißt es doch: Wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Gilt auch für Wurst.

 

Peter Georg SeilerPeter Georg Seiler wurde 1959 in der deutschen Schweiz geboren. Er versteht das Leben als „Circle“ in welchem das Ende stets den Anfang des nächsten Kreises markiert. Zufälle existieren für ihn nicht.

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